Gipfelstürmer
Mit Alina und unseren Gravelbikes für ein langes Wochenende im Sauerland.

Nachdem Alina und ich im letzten Jahr ein langes Wochenende mit den Rädern an der Schlei und der Ostseeküste verbracht hatten, sollte es diesmal ins Sauerland nach Willingen gehen. Willingen war mir schon aus der Vergangenheit bekannt. Hier verbrachte ich 2020 mit Kai und den Mountainbikes ein tolles Wochenende (siehe auch Willingen 2020 – Mountainbiken at its best).

Das Sauerland hat die Zeichen der Zeit erkannt und stellt sich immer mehr auf Radfahrer ein. Allerdings ist das Hauptgefährt hier ganz klar das Mountainbike. Deshalb ist die Planung via Komoot für das Gravel auch nicht ganz so einfach, die Auswahl an Strecken eher mager und, da die Strecken immer von anderen Usern erstellt wurden, kann da auch mal was in die Hose gehen. Wenn die Tour jedoch nicht nur über Asphalt gehen soll, dann muss man auch ein wenig das Abenteuer wagen 🙂

Tag 1Green Trails
Bei der Ankunft in Willingen stärkten wir uns erst mal mit einem leckeren Wurstsalat im Gasthof „Dorf Alm Willingen“. Hier wurde uns auch schnell klar, warum man Willingen den Ballermann im Sauerland nennt. Am Nebentisch wurde schon reichlich Bier getrunken und laut diskutiert. Eine der zahllosen Männergruppen, die uns noch begegnen sollten, fing schon mit dem Feiern an. Da es mit 14:00 Uhr noch recht früh war, sattelten wir unsere Räder und wollten noch eine kleine Tour machen.

Unser Wahl fiel auf die Green Trails. Eine sehr flowige Abfahrt, die sogar mit dem Trekkingbike befahrbar sein soll. Wer den Flow Country Trail aus dem Willinger Bikepark kennt, muss sich diesen nur noch etwas einfacher vorstellen. Ja, man kann da zum Startpunkt der Abfahrt auch mit dem Kabinen- oder Sessellift hochfahren, wir wollten das allerdings mit Muskelkraft bewerkstelligen.

Holla die Waldfee, da merkte man aber doch, dass wir aus flacheren Gebieten kommen. Der Anstieg führte uns über schmale Trails mit kleinen 180° Kurven. Das war schon nicht einfach und dann hatte ich noch die Idee einen Abstecher zum Gipfel des Clemensberg zu machen.

Also ging es weiter immer aufwärts. Das war auf dem groben und teils sehr lockeren Schotterwegen nicht immer ganz einfach. Da war man mit dem Mountainbike, auch für die Abfahrten, klar im Vorteil. Die Landschaft um den Clemensberg ist aber großartig, das wusste ich noch aus der Vergangenheit. Nach 8 km und 250 hm hatten wir den Gipfel dann auch endlich erreicht.

Der Anstieg wurde belohnt mit einer tollen Aussicht. Und wir wussten, viel höher geht es eigentlich nicht mehr. Allerdings mussten wir erst Mal wieder zum Punkt, wo wir die Green Trails verlassen hatten und dann ging zum Start der Abfahrt der Green Trails, zum Ettelsberg.

Das waren dann nochmal 8 km und über 200 hm. Puh, für eine kleine Runde am ersten Tag war das schon mal nicht ohne.

Oben am Ettelsberg hat man dafür auch eine sehr schöne Aussicht.

Noch schnell ein Bild am Teich und Turm Hoher Stuhl und dann ging es weiter. Hier oben am Ettelsberg endet der Kabinen- und Sessellift. Hier starten alle Abfahrten des Bikeparks und auch diverse Wandertouren.

Nun ging es auf die Abfahrt des Green Trails. Wir wussten, bis auf die Beschreibung im Internet, eigentlich gar nicht was uns erwartete und ich hoffte, dass die Beschreibung …auch mit Trekkingbikes befahrbar… nicht irgendeinen Zusatz hatte wie …wenn sie ein Downhillprofi sind…, den ich überlesen hatte 🙂

Wow, das war klasse. Wirklich einfach zu fahren und sehr flowig. Allerding bin ich auch schon in Bikeparks gefahren und hatte durch das Fahren mit dem Mountainbike ein wenig Erfahrung. Für Alina war das komplettes Neuland.

Wir starteten vorsichtig und nicht zu schnell, aber nach anfänglichen Ohhhh und Uhhhhs, wurde auch Alina immer sicherer und bewältigte die welligen Geraden und Kurven immer besser und mit einem Lächeln im Gesicht.

Der Lohn der langen Auffahrt waren 5km Abfahrt auf einem wunderbaren Trail. Alina wurde immer schneller und die Bremsen hatten mittlerweile immer mehr Ruhepausen.

Der Trail wurde gelegentlich kurz unterbrochen, wenn ein Feldweg kreuzte. Hier wurde aber frühzeitig drauf hingewiesen und man konnte, wenn man wollte, kurz pausieren.

Ja, mit dem Gravel sind die Green Trails sehr gut zu befahren. Sicherlich wäre das Fahren auch mit einem Trekkingbike möglich, aber mit Reifen ohne viel Gripp auf dem Schotter werden die Bremsen ziemlich leiden müssen. Ideal sind die Green Trails mit einem Mountainbike zu befahren, egal ob Hardtail oder Fully, weil man das Rad dann einfach laufen lassen kann und die Bremsen eher weniger benutzt.

Am Ende der ersten Tour tranken wir noch etwas im Zielbereich des Bikeparks. Auf der Uhr standen 22,6km und 464 hm. Das war schon ganz ordentlich für den ersten Tag. Am Abend wurden die verlorenen Kalorien wieder aufgefüllt, die brauchten wie ja schließlich noch.

Ach ja, mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Das sollte sich am nächsten Tag jedoch ändern.

Tag 2 Wanderung zum Skywalk
Die Wetteraussichten für den 2. Tag waren katastrophal und so entschlossen wir uns nicht mit dem Rad zu fahren, sondern erst mal ein paar Besorgungen durchzuführen und ggf. später noch etwas zu unternehmen. So fuhren wir nach Brilon zu einem Bikeshop.

Alina brauchte noch einen Regenjacke und ein Hose, deshalb passte das ganz gut. Und wir haben dann auch was gefunden und dann auch noch im Sale 🙂

Wieder in Willingen schnappten wir uns den Regenschirm und machten uns auf eine kleine Wanderung zum Skywalk, einer Hängebrücke in Willingen. Dort ist auch die Skisprungschanze, eine weitere Attraktion.

Kein Witz, auf dem Skywalk spazierte eine alte Oma mit Rollator, aber für mich war das nix. Am Rand der Sprungschanze zu stehen war für mich schon grenzwertig.

Wir spazierten dann weiter zum Ettelsberg, aber auf dem Weg dorthin brach der Himmel kurz über uns zusammen. Es blitzte und donnerte und es kam ein Wasser vom Himmel, da half auch unser kleiner Regenschirm nichts mehr. Zum Glück sahen wir vor uns eine weitere, kleine Attraktion, einen großen Regenschirm als Unterstand. Das war tatsächlich die Rettung.

Dann ging es weiter zum Ettelsberg und mit der Kabinenbahn wieder nach unten.

Jetzt hofften wir auf besseres Wetter am nächsten Tag, waren aber auch froh, dass wir uns an diesem Tag verkniffen hatten mit dem Rad zu fahren.

Tag 3 Nach Winterberg, 1000 Höhenmeter Challenge
Wetter und Wetteraussichten waren gut und es juckte uns schon überall, wir mussten endlich wieder aufs Rad. Es sollte die schwerste Tour werden. Knapp 1000 Hm standen zu Buche und es waren ein paar knackige Anstiege vorhanden. Die Tour führte uns wieder am Skywalk und der Sprungschanze vorbei, diesmal jedoch in Richtung Ruhrquelle und Winterberg.

Der Weg nach Winterberg war sehr mühsam. Die Wege über die Berge waren teils noch sehr matschig und sehr wurzelig. Das war nicht ideal mit dem Gravel. Das war ganz klar Mountainbike-Gebiet.

Dafür war die Landschaft und die Aussicht aber teilweise ganz große Klasse. Das Sauerland wird da tatsächlich unterschätzt.

Unterschätz habe ich auch die Anstiege. Da waren doch ein paar sehr steile Dinger dabei und auf Schotteruntergrund war das nicht immer fahrbar. Wir hatten da doch einige Passagen, wo wir die Räder schieben mussten.

Angekommen in Willingen machten wir kurz Rast, tranken etwas und bestellten uns einen leckeren Kaiserschmarrn. Das war im Endeffekt auch ganz gut so, denn wir benötigten noch eine Menge Energie.

Dann ging es weiter, vorbei am Bikepark auf dem Weg zur Ruhrquelle. Gegenüber dem Bikepark gab es nochmal einen kurzen, knackigen Anstieg, an dem sogar zwei E-Bike Fahrer vor uns abstiegen. Mit einem Lächeln zogen wir an ihnen vorbei, das konnten wir uns nicht entgehen lassen 🙂 Die Körner aus dem Kaiserschmarrn waren dafür gut angelegt.

Auf dem Weg zur Ruhrquelle fuhren wir wieder an tollen Landschaften vorbei. Hätte auch irgendwo in Montana sein können.

Die Ruhrquelle war dann nicht ganz so der Hit, da ruhrte gerade sehr wenig Wasser. Egal, weiter ging’s, wir hatten noch ein gute Stück Weg und Höhenmeter vor uns. Und dann fing das Problem an. Der Weg war versperrt bzw. gesperrt. Eine Umleitung sollte ausgeschildert sein, war es aber nicht wirklich. Wir irrten noch etwas hin und her und entschieden uns dann den Navi zu fragen, aber auch das war kein Erfolg.

Egal wie, wir hätten immer auf einer Schnellstraße fahren müssen. Das war aber aufgrund des Autoverkehrs und der Gefahr dadurch, keine Option für uns. Also folgten wir einem Schild, welches einen Radweg nach Willingen ausschrieb. Und dieser führte uns dann nicht nur über noch mehr Höhenmeter als geplant waren, sondern auch noch wieder auf den matschigen und wurzeligen Trail, den wir eigentlich ein zweites Mal vermeiden wollten.

Für Alina waren das zum ersten Mal so viele Höhenmeter und sie kämpfte wie eine Löwin. Glücklicherweise ging es nach einer knapp 8 km langen Steigung die letzten 6 km nur noch abwärts. Ziel war jetzt wieder der Zielbereich des Bikeparks und das leckere Bier.

Das war ein gelungener Tag. Einige Schwierigkeiten, aber komplett ohne Regen und abgesehen von dem Matsch- Wurzelstück, auch weitgehendst gut zu fahren (schieben). Morgen sollte es einfacher werden (haha).

Tag 4 Zum Diemelsee
Das Problem bei den Touren auf Komoot ist die Sache, dass diese Routen ja auch irgendwann mal von jemanden gefahren wurde, der evtl. auch kein Planungspapst war. Die Erfahrung mussten wir bei der Diemelsee-Runde auch machen. Relativ zu Beginn mussten wir schon überflüssiger Weise durch ein Wohngebiet und dann einen extrem steilen Wanderweg runter, den man nur runterschieben konnte.

Das hätte man auch leichter haben können, wie wir im Nachhinein gesehen haben. Egal, denn anschließend ging es gut 25 km nur noch leicht abschüssig oder flach bis zur Staumauer am Diemelsee. Keine Frage, das war einer der schönsten Abschnitte der gesamten Tour.

Am Diemelsee wollten wir eigentlich eine Pause machen, aber dort etwas zum Essen zu finden, war echt ein Problem. Irgendwann kam eine Art Imbissbude, aber neben reichlich Parkplätzen für Autos und Motorrädern, war dort nicht ein Abstellplatz für Fahrräder. Irgendwie hat man das im Sauerland mit dem Fahrradtourismus wohl doch noch nicht überall verstanden. Na ja, wir machten dann an anderer Stelle Pause und aßen unsere Riegel.

Am Diemelsee selber konnte man mit dem Gravel ganz gut fahren und es gibt da sogar auch die sogenannten Green Trails, die sind wir aber nicht gefahren.

In Abwandlung zur Tour machten wir noch einen kleinen Abstecher zur Staumauer. Puh, das ist ja nicht mein Ding. Hier war ich schon mal mit Jan und Torsten bei unserer ersten Sauerland-Tour (siehe auch Trailpark Brillon).

Jetzt ging es zurück. Neben dem Gegenwind, der uns jetzt erwartete, sollte es 27 km fast ausschließlich aufwärts gehen. Und das war im Endeffekt härter als gedacht. Es begann gleich mit einem 2 km langen Anstieg, der bis zu 17% hatte. Da habe ich dann auch irgendwann die Segel gestrichen. Am Anfang noch asphaltiert, wurde der Weg immer unwegsamer und kaum zu befahren.

Irgendwann hatten wir aber auch das Stück geschafft. Die gute Laune blieb zum Glück erhalten.

Der Rückweg war ein ganz schön harter Brocken. Am meisten Sorge hatten wir tatsächlich bei einer Abfahrt auf einer Landstraße. Eigentlich ein Geschenk, blies der Wind so heftig, dass er uns zwar bremste, aber halt auch ganz schön ins Rad fasste und die Abfahrt eine wacklige Angelegenheit war. Auch waren wieder Abschnitte dabei, die hätte man mit Komoot besser planen können.

Durch eine Unterführung kamen wir nur schiebenderweise weiter und bei einer der wenigen Abfahrten auf dem Rückweg war der Untergrund so uneben, dass wir auch hier zum Teil runterschieben mussten. Das wäre was fürs MTB gewesen, aber nicht fürs Gravel.

Anscheinend hatte auch der Ersteller der Tour irgendwann die Schnauze voll, denn wir standen auf einmal an der Bundesstraße und dort wollte uns der Track die letzten 8 km nach Willingen führen. Jupp, da hatte sich jemand gesagt, Scheißegal, ich fahre jetzt auf Asphalt zurück. Das kam für uns aber nicht in Frage, viel zu gefährlich. Und so hieß es für uns, parallel zur Bundesstraße auf dem Schotterweg auf und ab bis nach Willingen.

Das zog sich, aber wir planten sogar noch einen kleinen Umweg zum Bier am Bikepark ein. Diesmal inklusive Currywurst-Pommes und Käsekuchen 🙂

Abgesehen vom teils stürmischen Wind, hatten wir aber mal wieder großes Glück mit dem Wetter.

Den Abend wollten wir nochmal im Gasthof Dorf Alm Willingen ausklingen lassen. An den Vorabenden war immer viel Party in Willingen und die Gasthöfe rappelvoll. Kein Wunder, Männergruppen mit einem Tutu um die Hüften, Kegelklubs mit dem Namen Saufi-Saufi auf den Shirts oder auch Frauengruppen gesetzten Alters drehten bereits schon am frühen Abend ihre Runden. Für den Sonntagabend dachten wir also, dass diese Gruppen alle schon wieder zuhause wären, aber wir wussten nicht, dass an diesem Tag die internationale Alphornmesse in Willingen stattfand (nein, kein Scherz) und sich wohl alle Niederländer eben im Gasthof Dorf Alm Willingen trafen. Junge, junge, war da Stimmung. Wir hatten aber Glück und bekamen noch einen schönen Platz.

Zum Abschluss gab es dann noch eine leckere Haxe und am nächsten Morgen ging es wieder nach Hause. Ein tolles Wochenende im Sauerland, an das wir uns wohl noch lange erinnern werden.

Mal sehen, wo es nächstes Jahr hingeht.
Thomas Tremmel