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Der Rennradfahrende Mountainbiker

Allgemein gilt es ja, dass es keine blöden Fragen gibt. Aber das stimmt gar nicht, die gibt’s.

Eine davon hat mir vor kurzem ein Kumpel gestellt, der etwas verwirrt war, weil ich Rennrad und Mountainbike gleich gerne fahre. „Sag mal Alter, bist du eigentlich Rennradfahrer oder Mountainbiker?“

Allgemein gilt auch, dass es nur blöde Fragen gibt, weil jemand zu blöd für die Antwort ist.

Glücklicherweise kam ich nur kurz mit einem „Ähhhh?!?“ ins Stocken, dann kam meine glasklare Antwort:

„Ich bin ein Rennradfahrender Mountainbiker.“

Mein Kumpel fragte dann als nächstes (war ja klar): „Und warum bist du kein Mountainbikefahrender Rennradfahrer?“

Ganz einfach, weil ich beim Fahren andere Fahrer grüße.

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Rennradfahrer sind in der Regel Nachkommen von Timm Tahler (das ist der Junge, der sein Lachen an den Teufel verkauft hatte). Kommt dir ein Rennradfahrer entgegen, dann lächelt er grundsätzlich nicht, was zur Folge hat, dass er eine Sache komplett ablehnt: andere Fahrer zu grüßen.

Das ist auch unabhängig davon, ob du zuerst grüßt oder nicht.

Hier mal eine kleine Statistik:

Rennradfahrer trifft Rennradfahrer

  • 7 grüßen gar nicht
  • 1 grüßt, weil er erst seit letzter Woche Rennrad fährt (ahnungsloser Dussel)
  • 1 grüßt, er ist ein Rennradfahrender Mountainbiker
  • 1 grüßt und ist die Ausnahme von der Regel, wer das auch immer sein soll (z.B. diese immer-fröhlichen, gutgelaunten Dauergrinser)

Rennradfahrer trifft Mountainbiker

  • 9 grüßen gar nicht
  • 1 grüßt (diesen einen Platz teilen sich der Rennradfahrende Mountainbiker, der immer-fröhliche Dauergrinser und irgend so ein Freak, der vorher irgendwas eingeworfen hat)

Auch die Art des Grußes ist streng reglementiert bei Rennradfahrern.

Eine absolute Ausnahme und äußerst selten ist ein überschwängliches „Mooiiiinnnn“ mit einem Lächeln, Kopf anheben und Hand zum Gruß. So ein Rennradfahrer wurde das letzte Mal 2004 auf dem Himalaya gesichtet. Wobei man sich nicht sicher war, ob’s nicht doch der Yeti auf einem Schlitten war.

In der Regel wird mit dem Kopf kurz genickt, mit maximal 4cm Nickweg, oder der linke Zeigefinger kurz angehoben, mit maximal 2cm Transitweg. Gelächelt wird aber auf keinen Fall.

Bei Mountainbikern ist das anders, die lächeln fast immer, weil sie entweder auf dem Weg und voller Vorfreude zu den geilen Trails und Abfahrten sind, bereits auf den Trails sind und ein Dauergrinsen nicht mehr loswerden, oder weil sie auf der Heimfahrt mit den Kumpels nochmal Revue über die geile Strecke ziehen. Da sieht die Statistik schon etwas anders aus.

Mountainbiker trifft Mountainbiker

  • 9 grüßen
  • 1 grüßt nicht (Mountainbike fahrender Rennradfahrer)

Mountainbike trifft Rennradfahrer

  • 6 grüßen (die tun’s einfach)
  • 4 grüßen nicht (3 haben’s aufgegeben und einer ist der Mountainbike fahrende Rennradfahrer)

Warum lächeln und grüßen die Rennradfahrer nicht (zurück)? Selbst dann nicht, wenn man von weitem schon deutlich und freundlich seine Hand und das Gesicht anhebt und freundlich lächelt?

Da gibt es unterschiedliche Theorien:

  1. Das sind alles Harley Davidson Fahrer.

Warum? Geht mal auf ein Harley Davidson Treffen, z. B. in Hamburg. Wenn da Tausende Biker am Start stehen und losrollen, dann lächelt da nicht Einer. Nein, keine Ausnahme, da lächelt nicht Einer. Keine Ahnung warum, ich fahre kein Motorrad (und würde mich noch weniger in so einen Fransenlook auf die Dinger setzen).

  1. Der Gegenüber ist unter meinem Niveau

Keine Frage, Rennradfahrer sind die eingebildetsten Typen unter allen Radfahrern. Teures Rad, geile Klamotten, evtl. sogar von irgendeinem Profiteam, da grüßt man doch nicht irgendwelche Prolls auf MTBs oder Trekkingrädern. Und ganz bestimmt keine Rennradfahrer in Lidl-Klamotten.

  1. Rennradfahrer sind zu konzentriert und zu schnell während der Fahrt, die sehen niemanden.

Ja klar, haha, vergesst diesen Punkt gleich wieder.

  1. Stark getönte Radsportbrille bei dunklen Regenwolken; die sehen einfach nix.

Nene, Rennradfahrer sind Schönwetterfahrer, die sehen alles bei Sonnenschein.

  1. Ich fahre in einer Bahnradhalle in die verkehrte Richtung.

Okay, wenn ich alle 30 sec dem gleichen Penner entgegenkommen würde, dann würde ich mir das auch schenken.

Tja, da hatte ich mir so schöne Theorien zurechtgelegt und dann passierte etwas, was alles über den Haufen schmiss: mir kommen zwei Rennradfahrer entgegen und beide grüßten mich.

  • noch schlimmer, sie grüßten zuerst
  • viel schlimmer, ich fuhr auf einem MTB
  • kaum zu glauben, ich fuhr auf dem Radweg und sie kamen mir auf der Straße entgegen

Konnte es sein…war es vielleicht, weil…lag es evtl. daran, DASS MEINE FRAU neben mir fuhr?

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Als ich mir das gerade wieder ausreden wollte (betrunkene Freaks und so), da passierte das Unfassbare; zwei Rennradfahrer überholten uns, drehten sich beim Überholen kurz um und grüßten mit einem überschwänglichem „Moiiiiiin“ und Big Smile Gesicht in unsere Richtung.

Hallo, was war das denn? Zwei Typen vom Radteam FATA MORGANA?

Konnte es sein…war es vielleicht, weil…lag es evtl. daran, WEIL ICH SO SCHEISSE aussah?

Okay, okay, Frauen werden grundsätzlich eher gegrüßt, aber lag’s in diesem Fall wirklich an diesem Grund? „Okay, der Macker sieht Scheiße aus, aber wenn die Frau daneben mit so einem Sackgesicht fährt, dann muss die ein gutes Herz haben, die grüßen wir.“

Ich brauchte eine Bestätigung. Also fuhren wir am nächsten Tag mit dem Rennrad einen asphaltierten, schmalen Weg lang, an dem uns mit Sicherheit einige Rennradfahrer entgegenkommen sollten.

Wir fuhren in Einerreihe, zuerst ich vorne.
Der erste Rennradfahrer kommt: kein Lächeln, kein Gruß, oller Blödmann.
Der zweite Rennradfahrer kommt: kein Lächeln, kein Gruß, auch ’n Blödmann.

Führungswechsel, meine Frau fährt vorne.
Der erste Rennradfahrer kommt: man kann’s auch übertreiben mit dem Grüßen.
Der zweite Rennradfahrer kommt: hätte der auch noch einen schönen Tag gewünscht, wäre ich ihm hinterhergefahren und hätte seine Scheißkarre zersägt.

Es ehrt meine Frau, dass sie mit „reiner Zufall“ kam, aber ich wusste es jetzt:
ES LAG AN MIR!

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Oh damn fucking bullshit 🙁

Jaja, sorry, sorry, ist ja schon gut. Ich sach nix mehr. Danke, dass Ihr bei meinem Anblick nicht vor Schreck vom Rad gefallen seid.

Aaaaaaber, wie schon oben angesprochen, Mountainbiker grüßen mich immer zurück. Puh, also liegt’s doch nicht an mir?

DAS erzählte ich natürlich meinen Kumpel, siehe oben, und was sagt der: „Na ja, ihr Mountainbiker fahrt doch immer durch Matsch und Pfützen und habt dann immer alles Dreck im Gesicht. Die glauben bei deinem Anblick bestimmt, du hast gerade eine Mega-Matschtour hinter dir und das Gesicht voll Dreck und Schlamm, oder?“

Ich denke mal, mein Kumpel hat nicht Recht. Er dachte ja anschließend auch nicht, dass die Reifen von meinem MTB in seinem Gesicht so lange Spuren hinterlassen.

Wie auch immer, ich grüße weiterhin. Aber nicht, weil ich freundlich bin, sondern weil ich euch ärgern will.

😉

Thomas Tremmel