Mallorca 2026 mit dem Rennrad
Mein persönlicher Rückblick auf eine Radsportwoche Mallorca mit dem RSC Harsefeld
Auf ging’s für mich zum ersten Mal für eine Radsportwoche auf Mallorca. Irgendwas war immer in den letzten Jahren, was mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Diesmal habe ich einfach gesagt: „Scheiß drauf. Wenn‘ s nicht klappt, esse ich halt den ganzen Tag Paella und bade die Füße im Meer.“

Den Reisetag startete ich gleich mit kurzer Hose. In Hamburg noch belächelt, in Palma beneidet 🙂

Busfahrt nach Alcudia, Einchecken, Räder holen und auf geht’s für die Einrollrunde. Ein kleiner Teil fuhr gleich zum Cap Formentor, das war aber für die meisten für den ersten Tag zu heavy und so führte Ralf W. die übrigen Fahrer auf eine schöne Einführungsrunde. Die Einführungsrunde war wichtig, denn der eine oder andere Fahrer bemerkte so noch kleine Macken an seinem Rad, bei mir die Pedale.


Am zweiten Tag entschieden wir uns dafür, die Gruppe in zwei Gruppen aufzuteilen. Die Leistungsunterschiede waren einfach zu groß und hätten zu Frust bei langsameren, wie auch bei schnelleren Fahrern gesorgt. Das war eine gute Idee und für niemanden ein Problem. Ein kurzes Zusammentreffen war in Arta, im Castell de San Salvador geplant

Das Fahren in der „Gänseblümchenpflückergruppe“ war zu Anfang etwas holprig. Die Gruppe riss hier und da auseinander und es dauerte zu lange, bis alle wieder zusammen waren. Das war besonders für den letzten Fahrer immer ein Problem, da er alleine gegen den Wind zur Gruppe wieder auffahren musste und dann bei der Zusammenführung noch kaputter war als vorher. Das wurde dann aber in Arta geklärt und lief von da an nahezu perfekt.

Im Castell de San Salvador in Arta wartete dann schon die Espresso-Gruppe auf uns. Hier machten wir auch ein kleines Päuschen, bevor es weiter zum Leuchtturm nach Cala Ratjada gehen sollte.

Für meinen Geschmack waren wir bisher und auch weiter nach Cala Ratjada (Cala Ratatata für Insider) zu viel auf Hauptverkehrsstraßen unterwegs, das hatte ich mir anders vorgestellt. Wobei das letzte Stück zum Leuchtturm und am Leuchtturm selber große klasse war.

50 km hatten wir jetzt hinter uns, 70 km und viele Höhenmeter noch vor uns. Irgendwann wurde dann auch die Strecke schöner und wir kamen sogar noch an einigen schönen Mandelbäumen vorbei.

Mit dem Wetter und der Wärme hatte ich keine Probleme, aber die länge der Strecke und die Höhenmeter machten sich langsam bei mir bemerkbar. Länge und Höhenmeter waren für mich Topwerte in diesem Jahr. Auch Paolo, der dazu noch mit Magenproblemen zu kämpfen hatte, merkte man langsam die Strecke an. Die Freude mit der Gruppe durch die herrlichen Landschaften zu fahren, motivierte uns jedoch immer wieder aufs neue und so sah man uns mehr lächeln als qualvoll dreinzublicken.

30 km vorm Ziel kam dann nochmal eine ordentliche Steigung an deren Ende wir auch die Fahrer der leistungsstärkeren Gruppe wieder trafen. Im Gegensatz zu uns, haben sie sich eine Pause in Cala Ratjada gegönnt, was sich im Endeffekt als weise Idee herausstellte.

Leider verlief auch der Rest der Strecke dann auch wieder viel an Hauptverkehrsstraßen. Glücklicherweise sollte das jedoch nur bei dieser Tour so sein.

Zurück am Hotel war ich dann völlig fix und alle. Glücklicherweise wartete Petra, die Frau von Knud, immer mit Getränken auf uns im Ziel. Auf meinen Hinweis zu Michi, was das für ein Brett war, entgegnete er nur: „Und das war noch die einfachste Strecke.“ Na bravo :-/

Am 3. Tag sollte es dann zur berühmten Tankstelle nach Coll de sa Bataia gehen. Und wer wollte, konnte dann noch den Ab- und Aufstieg nach San Calobra einbauen. Das nutzte auch der Eine oder Andere, ich allerdings nicht. Mir saß noch die Tour vom Vortag in den Knochen und die Auffahrt zur Tankstelle flößte mir den nötigen Respekt ein.

Ja, der Anstieg zur Tankstelle nötigte mir im Vorfeld schon den Respekt ab und ja, ich hoffte, dass mir die Knochen das nicht übel nehmen und überstehen, aber vom ersten Moment an war ich begeistert von der Art und der Schönheit dieses Anstiegs. Ja, es war anstrengend und ich dankte dem Erfinder des 34er Ritzels, aber das Erleben dieses Anstiegs ließ meine Herz auch vor Freude hüpfen (die Milz meinte allerdings, ich hätte ’n Dachschaden).

Die Tankstelle war ein Nest voll von Rennradfahrern. Hier konnte man sich erfrischen und sich noch entscheiden, ob man die Abfahrt MA-10 nach Pollenca oder nach den Abstecher nach Sa Calobra nimmt.

Manch einer nahm die sicherlich lohnende Strecke nach San Calobra noch auf sich, ich und die meisten anderen entschieden uns allerdings für die Abfahrt nach Pollenca.

Die Abfahrt war ein Traum. Vergessen waren Schmerz und schlappe Beine. Was ein Spaß.

Unten angekommen entschieden wir uns noch auf einen Abstecher zum Port de Pollenca, um eine Kaffee zu trinken. Hier teilte sich die Gruppe nochmal auf . Die Einen wollten noch zum ersten Parkplatz Richtung Cap Formentor, die Anderen auf direktem Weg zum Hotel. Ich und ein paar andere wollten über einen kleinen Umweg und über die landschaftlichen schönen Strecken wieder zurück nach Alcudia.

Im Hotel angekommen wartete Petra wieder mit erfrischenden Getränken auf uns. Ich sprang anschließen noch kurz in den Pool, freute mich aufs Abendessen und war äußerst zufrieden mit mir.

Für den 4. Tag wurde eine Runde von 122 km vorgeschlagen, ich entschied mich jedoch zum Cap Formentor zu fahren und schlug das als Alternative vor. Das Cap Formentor wollte ich unbedingt noch erleben und die Zeit wurde mir zu knapp, da für unsere letzten beiden Tage schlechtes Wetter vorhergesagt wurde und dann nur noch der Samstag zur Verfügung gestanden hätte. So teilten wir uns entsprechend auf und alle waren mit dieser Entscheidung zufrieden.

Cap Formentor bin ich schon gefahren, auf der Rolle, bei Rouvy, aber nur die Hinstrecke. Das fand ich schon anstrengend. Nach den letzten beiden Tagen wusste ich aber, ja, das wird kein Kinderspiel, aber das schaffe ich. Und ich freute mich drauf.

Die Strecke zum Cap Formentor ist wunderschön und ein ständiges Auf und Ab. Nach der ersten Steigung trifft man sich für eine kleine Pause am Kiosk.

Nach dem Kiosk ging es dann erst mal wieder runter, eine wunderschöne Abfahrt.

Die Masse an Radfahrern, die den Weg zum Cap auf sich genommen haben, war riesengroß. Leider galt das auch für Autofahrer. An sich kein Problem, aber manch Autofahrer vergisst im Urlaub die grundlegendsten Dinge und überholt vor oder sogar in Kurven, so dass du bei Abfahrten auf einmal ein Auto auf deiner Seite hast.

Geparkt wurde dann auch gerne mal halb auf der Straße, so dass weder Radfahrer noch Autos weiterkamen. Kannste nur kurz mit dem Kopf schütteln, alles andere bringt eh nix und schließlich haben wir ja Urlaub 🙂

Das letzte Stück zum Leuchtturm kann kein Hollywood-Regisseur besser gestalten. Man, alleine für den Blick hat sich das alles gelohnt.

Knud kam gerade Recht, um ein wenig Vordergrund in das Bild zu bekommen 🙂

Kurz vorm Leuchtturm kam es dann zum Stau; der kleine Parkplatz am Leuchtturm war der Masse an Autos nicht gewachsen. Mir war der Trubel da oben zu wild, deshalb kurze Pause und wieder zurück.

Schön, dass Mallorca bike photos auch hier vertreten war und ich wieder zu schönen Bildern kam.

Dann ging es wieder Auf und Ab Richtung Kiosk, wo wir uns nochmals trafen und dann den Rückweg einschlugen.

Viel Höhenmeter auf relativ kurzer Strecke, aber jeder Meter hat sich gelohnt.

Ein sehr toller Tag. Vielleicht sollte ich morgen mal etwas Einfaches und Flaches wählen.

Ich hatte mir für den 5. Tag bereits zwei relativ einfache, kurze und flache Strecken auf Komoot ausgesucht und auf meinen Garmin geladen, da kam der Routenvorschlag für den nächsten Tag: die Königsetappe nach Soller und zum Puig Major mit ca. 130 km und 2000 Höhenmeter. Der 2. Tag mit den 120 km und 1146 Höhenmetern, wo ich am Ende total im Arsch war, lag noch nicht allzu weit entfernt und ich lehnte das für mich ab.

Auf gerader Strecke in einer Gruppe mitzurollen, wenn man keine Kraft mehr hat, ist noch relativ problemlos, aber am Anstieg bist du alleine und wenn dann die Kraft in den Beinen nicht mehr da ist, dann geht gar nix mehr. Und die letzten drei Tage hatten gut Kraft und Körner gekostet, da war nicht mehr viel in den Beinen. Auf der anderen Seite, das würde mir ja ewig nachhängen. Also habe ich der Tour dann doch zugestimmt (die Milz meinte, sie hätte ja schon früher gesagt, dass ich bekloppt bin).

Gestartet wurde wieder in zwei Leistungsgruppen, das hatte auch im Vorfeld schon gut geklappt. Aufgrund der Länge der Strecke und der zu erwartenden Höhenmeter, wollten wir es in unserer Gruppe zu Anfang ruhig angehen lassen, was leider nicht funktioniert hat. Die Gruppe riss relativ schnell auseinander, weil leistungsstärkere Fahrer vorne ein zu schnelles Tempo vorgaben. Für mich war das in dem Moment besonders blöd, weil ich erst aufgrund von Verkehr eine Straße nicht überqueren konnte und mir dann auch noch die Kette abgefallen war. Weit voraus sah ich noch Matthias und Paolo, die auch bereits abgehängt waren und irgendwo am Horizont sah ich den Rest der Gruppe.

Okay, fand ich im ersten Moment unglücklich, war mir dann aber wurscht. Ich hatte den Track und wusste wie ich fahren muss, damit ich eine Chance hatte über die Berge zu kommen. Jetzt die Gruppe mit Tempo einzuholen war da keine Option. War aber alles gar nicht nötig; als ich gerade die abgefallene Kette wieder auflegte, kam Matthias mir entgegen und wir fuhren dann gemeinsam zum Rest der wartenden Gruppe. Mittlerweile hatten sich vier Fahrer abgesetzt und so waren wir jetzt drei Gruppen. Wenn sich das halt so während einer Fahrt ergibt, dann finde ich das voll in Ordnung. So war jedem geholfen.

Der Anstieg zum Coll de Soller war nur ein Vorgeschmack für den Anstiege zum Puig Major. Ich war trotzdem erst mal ziemlich happy, als ich das Ding hinter mir hatte. War aber auch trotz der Anstrengung ein toller Anstieg.

Die Abfahrt nach Soller brachte uns ein Dauergrinsen ins Gesicht. Megaaaa. In Soller füllten wir unsere Trinkflaschen nochmal auf, wollten dann im Ort einen Kaffee trinken, sahen das dort Markt und die ganze Innenstadt hoffnungslos überfüllt war, quälten uns durch die Menschenmenge und fuhren dann weiter. Soller hatte uns viel Zeit, zu viel Zeit gekostet.

Dann ging es zum Aufstieg zum Puig Major. 850 Höhenmeter auf 14 Kilometer. Kein flaches Stück zum Ausruhen, es geht stetig nach oben. Meine Beine fühlten sich glücklicherweise besser an, als ich noch am Vorabend befürchtet hatte. Das war auch dringend notwendig, denn auch wenn der Anstieg ein paar schöne Stellen hat, das ist dir irgendwann scheißegal, du willst nur noch nach oben. Zwei, drei Mal musste ich kurz am Rand anhalten, sonst wäre mir ein Körperteil tot abgefallen.

Es ist im Endeffekt wohl auch viel Kopfsache, denn ich wusste, alles was mir weh tut, tut den anderen Fahrern auch weh. Na gut, eine Sache tut nicht jedem (jeder) weh.

Als ich dann irgendwann nach der letzten Kurve die Trikots des RSC Harsefeld gesehen habe, wusste ich, ich hab’s geschafft. Mensch war ich happy. Wie heißt es so schön, Schmerz vergeht, Stolz bleibt 🙂

Dann ging es auf eine rasante Abfahrt zu einem Stausee. Nur eine kleine Pause, denn der Wind wurde stärker und war unangenehm kühl an dieser Stelle.

Es ging wieder durch einen sehr dunklen Tunnel, ich hatte allerdings Licht dabei. Hinterm Tunnel blieb ein Teil von uns stehen, denn wir vermissten Matthias.

Die Situation war unklar und es dauerte einen Moment, bis wir erfuhren, dass Matthias ca. 1 km hinter uns und durch einen Platten am Vorderrad gestürzt war. Von der vor uns liegenden Gruppe kamen Kai und Heiko bereits mit Verbandszeug und so fuhren wir alle zurück zu Matthias. Die Wunden wurden versorgt, der Reifen geflickt und weiter ging’s. Matthias hatte ein paar Schrammen und wahrscheinlich ein paar schmerzhafte Prellungen abbekommen, konnte jedoch weiterfahren. So trafen wir erst mal die meisten Fahrer an der Blechhütte beim Viadukt wieder.

Es lagen zwar noch 40 km und ein paar Höhenmeter vor uns, aber im Endeffekt ging es nur noch bergab zum Hotel. Im Ziel waren wir dann alle erledigt, aber auch sehr stolz auf die erfolgreiche Bewältigung der Strecke. Ich war sehr happy, dass alles geschafft zu haben und dankte Knie und Rücken, dass sie das heile überstanden haben. Jetzt freute ich mich auf eine Dusche, leckeres Essen und ein oder zwei Bier (mit dem Zählen hatte ich das noch nie so wirklich drauf).

Der 6. Tag war für mich definitiv ein Ruhetag. Es war stürmisch und Regen hatte sich auch angesagt, aber das war mir eh schnuppe, ich hätte den Ruhetag auch bei gutem Wetter gemacht.

Mit ein paar Leuten haben wir dann einen Spaziergang zum knapp 5 km entfernten ASSOS-Shop gemacht, dort sollte es Schnäppchen geben.

Der Laden war mit Radfahrern total überfüllt und die satten Rabatte hingen überall. Für eine Hose, die mir gefiel, schaute ich für die Eigenschaften auf der offiziellen ASSOS-Webseite und sah, dass die Hose dort noch günstiger als im Laden angeboten wurde. Also raus aus dem Laden und versandkostenfrei direkt bei ASSOS bestellt.

Am Nachmittag schauten wir uns mit ein paar Leuten Paris-Roubaix der Männer in einem Burgerladen an.

Witziger Laden, mit einem großen Modell der P-51 Mustang an der Decke.

Am 7. Tag stand für mich auch fest, dass ich kein Rad mehr fahre. Viel Wind und den ganzen Vormittag Regen. Ich hatte alles erreicht, was ich mir gewünscht hatte und war hochzufrieden. Die meisten RSCer machten noch eine Tour, ich entschied mich für eine Wanderung und wurde von Knuds Frau Petra begleitet.

Vorher gab ich noch mein treues Gefährt ab. Lief gut, saß ich sehr gut drauf, Sattel besser als gedacht, in den Kurven etwas schwammig (die Milz meint, mit den Reifen kein Wunder), nur die Pedale taugten nix. Da würde ich beim nächsten Mal eigene mitnehmen.

Die Wanderung war klasse. An der Küste tobte das Meer eindrucksvoll und war ein toller Anblick. Das hatte sich gelohnt.

Am Nachmittag noch Kaffee und Eis am Hafen und dann war’s das mit Mallorca 2026.

Am nächsten Tag ging es dann früh wieder zurück nach Hamburg.
Es war eine großartige Woche. Ich habe mehr geschafft, als ich mir erhofft hatte. Die Gemeinschaft des RSC Harsefeld hat super funktioniert aus meiner Sicht. Ich habe nicht einmal irgendeine Missstimmung erlebt. Beim Abendessen hat man lange gesessen und sich über vieles ausgetauscht. Es wurde viel gelacht und mit Matthias und Jens gab es zwei kleine Stürze, die zum Glück glimpflich ausgegangen sind. Es hat viel Spaß gemacht und mit der Truppe würde ich das immer wieder machen. Schauen wir mal, was so im nächsten Jahr passiert.

Thomas Tremmel