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Gönn dir Tour

Gönnung steht für den bewussten Akt, sich selbst oder anderen etwas Gutes zu tun. Es ist die Belohnung, um sich nach harter Arbeit zu entspannen und das Leben zu genießen. (Ja ja, ich hab den Lacher bei „harter Arbeit“ bis hierher gehört.)

Auf geht’s 🙂

So starteten Michael, Kai und ich am Donnerstag zu Christi Himmelfahrt unsere geplante Tour über Bremerhaven, Westochtersum, Oldenburg und zurück nach Harsefeld.

Zum Start war der Himmel so lala :-/

Die Wettervorhersage war eigentlich eine mittlere Katastrophe, aber wir hatten die Unterkünfte schon fest gebucht und das war über das Himmelsfahrt-Wochenende nicht gerade einfach. Trotz sehr kurzfristiger Buchung bekamen wir noch relativ günstige Unterkünfte. Später sollte sich dann herausstellen, warum das so war.

Das Wetter war besser, als erwartet.

Tag 1 von Harsefeld nach Bremerhaven

Die erste Etappe sollte uns an der Elbe über Krautsand, Freiburg an der Elbmündung über Cuxhaven nach Bremerhaven führen. Die Regenklamotten blieben erst Mal verstaut, denn es war zwar kalt, aber auch trocken. Auch wenn einige dicke, schwarze Wolken am Himmel wanderten, so blieben wir, bis auf zwei, drei Tropfen, vom Regen verschont.

In Krausand sah es kurzfristig schon duster aus.

Kais Unterrohrtasche hielt leider nur bis zum ersten Stopp kurz nach Krautsand, dann war der Reissverschluss erledigt. Gefixt wurde das mit zwei Gummibänder, weil wir die Kabelbinder (Must have Bikepacking Equipment) vergessen hatten.

An der Elbmündung zu fahren ist traumhaft.

Das Wetter schenkte uns sogar etwas Sonne, so dass wir das tolle Stück an der Elb-Mündung in vollen Zügen genießen konnten. Na ja, sagen wir mal fast, denn der Gegenwind aus westlicher Richtung war ein ziemlicher Killer.

An der Elbmündung gibt es immer was zum Gucken.

Hier wurde mir auch schnell klar, dass die Tour keine Bummeltour werden wird und das Tempo, besonders gegen den Wind. mein übliches Tourentempo überschreiten wird. Das kommt halt davon, wenn man die Tour mit zwei Kollegen aus dem Radsportclub bestreitet, die normalerweise in der „Espresso-Gruppe“ fahren 😉

Zum Glück war Gönnung das Tour-Thema 🙂

Aber um es vorweg zu nehmen, das gemeinsame Fahren klappte einwandfrei mit uns Dreien, wenn mein Körper auch manchmal „Time out – Time out“ geschrien hat.

Spaß hatten wir von Anfang an.

Abwechslung gab es immer wieder während der gesamten Fahrt. Kurz vor Cuxhaven führte z. B. unser Weg durch ein Drachenfest.

Ein Himmel wie im Sommer 😀

Viele Pausen machten wir nicht, da wir einen festen Einchecktermin hatten, was sich im Endeffekt aber als überflüssig rausstellte.

Drachensteigen im Herbst oder so ähnlich.

Angekommen in Cuxhaven, schnelles Foto an der Kugelbacke und dann nix wie wech. Cuxhaven ist an einem Feiertag, trotz des herbstlichen Wetters, nicht wirklich ein angenehmer Ort zum verweilen, zumindest für uns nicht.

Aber nette Leute, die uns angeboten haben, uns zu fotografieren.

Weiter ging’s auf schönen Wegen nach Bremerhaven. Da unsere Unterkunft südlich in Bremerhaven lag, umfuhren wir das Industriegebiet (eigentlich einen Abstecher wert) und den touristischen Mittelpunkt um das Klimahaus. Vielleicht hätten wir Bremerhaven ganz umfahren sollen, denn schön ist anders. Evtl. waren wir aber auch in der falschen Ecke.

Sieht auf dem Bild gar nicht sooooo übel aus.

So langsam kamen wir unserer Unterkunft immer näher und die Häuser wurden immer schöner. In dem einen oder anderen Haus hätten in Mittelerde auch Elben wohnen können. Na ja, wenn wir schon bei Mittelerde sind, dann tauchte plötzlich vor uns Gollums Höhle auf, unsere Unterkunft. Oh weh, nun wurde uns klar, warum das zu Himmelfahrt noch verfügbar war.

Oder sollten wir doch noch schnell ein paar Bruzzler kaufen gehen?

Schade auch, dass wir keine Würstchen eingepackt hatten. Der Grill auf der Sonnenterrasse lud quasi zu einem gemütlichen Grillabend ein. Egal, die Terrassentür ging eh nicht auf (wie auch kein einziges Fenster) und außerdem war’s in dem Zimmer auch noch kälter als draußen. Wie auch immer, dafür war die Dusche einwandfrei und von der Mehrfachsteckdose funktionierte sogar tatsächlich eine Dose. Macht nix, schlimmer kann’s auf der Tour nicht mehr werden (von wegen).

Leckilecki 🙂 Nur die rote Soße war scheiße-scharf

Aufgrund mangelnder Gaststätten in der näheren Umgebung, stärkten wir uns beim Dönermann um die Ecke, der wirklich gut war. In der Nacht tauschten wir noch Geschichten über Holzsägearbeiten im kanadischen Urwald aus, wobei Michaels engagierte Erzählweise am beeindruckendsten war. So beeindruckend, dass die Polinnen in der Nachbarwohnung Applaus geklopft haben 😀

Tag 1 mit 168 km

Tag 2 Von Bremerhaven nach Westochtersum

Nach einem guten Frühstück beim Bäcker um die Ecke verließen wir Gollums Höhle auf dem Weg nach Westochtersum (deep, dark Ostfriesland) zu Michaels Domizil. Mit der Fähre ging es von Bremerhaven auf die andere Weserseite nach Blexen. Das Wetter war noch gut und wir hatten von der anderen Weserseite eine fantastische Sicht auf die Küste von Bremerhaven.

Nein, ich habe keine Ahnung, was das immer mit dem Daumen soll.

Ein schöner Stein markierte übrigens den westlichen Start des Weserradweges. Wir wollten jedoch weiter an der Nordseeküste Richtung Wilhelmshaven den Jadebusen umrunden.

Start des Weserradweges.

Die Strecke war schön zu fahren mit einer tollen Aussicht auf die Landschaft, allerdings wurde der Gegenwind immer heftiger und die Wolken zogen sich bedrohlich zusammen. (Doch doch, ein bisschen mimimi gehört einfach dazu). 😀

Das Stück nach der Fährüberfahrt war große Klasse.

Noch schien aber die Sonne und so ein wenig Hoffnung hatten wir, dass wir eventuell ähnlich Glück hatten wie am Tag davor. Nein, hatten wir nicht.

Vieeeeeeel Zeit verloren wir auch dadurch, dass die Beiden ständig was essen mussten. Hüstel…..nein, kleiner Scherz 😀

In Dangast nahmen wir einen kleinen Imbiss zu uns und zogen gerade noch rechtzeitig unsere Regenklamotten an, bevor der Regen losging.

Es ist zwar bitter, aber manch Einer kommt auf Fotos einfach besser rüber als manch Anderer 😉 SCNR

Je näher wir Wilhelmshaven kamen, umso stärker wurde der Wind und auch der Regen machte nur noch gelegentliche Pausen. Wir entschieden uns dann die Küste auszulassen, da der Wind dort nochmal ’ne Schippe zulegte, und quer durchs Land zu fahren.

Die Aussichten Richtung Ziel waren nicht gerade schön :-/

Unter anderem kamen wir durch Wittmund, wo ich noch Foto mit meiner alten Liebe der Phantom F4-F machen konnte. Wir beiden hatten tolle Zeiten in der Vergangenheit 🙂

Alte Liebe 🙂

Nach einem kleinen Umweg über Esens zum Einkaufen, kamen wir dann bei Michael in Westochtersum an. Bleiben wir beim Herr der Ringe in Mittelerde, dann war das Bruchtal, das Reich von Elron und den Elben.

Kurz vor Bruchtal 🙂

Was soll ich sagen: Dusche, Pizza-Lieferdienst, zwei Halbe, Schlafen. Beste. Danke Elron….äh…Michi 🙂

Tag 2 mit 138 km

Tag 3 von Westochtersum nach Oldenburg

Nach einem schön gemütlichen Frühstück, sollte uns die 3. Etappe nach Oldenburg führen. Allerdings nicht auf direktem Weg, sondern erst mal Richtung Leer zur schmalsten Autobrücke Europas über den Fluss Leda.

Da sah es noch gut aus (und nein, das Ding mit dem Daumen ist mir immer noch ein Rätzel)

Ein Blick auf das Regenradar machte uns klar, dass wir heute keine Chance haben werden dem Regen zu entkommen. Zum Start meldete sich noch kurz die Sonne, aber nach 20 Minuten ging es los, aber so richtig. Dazu war es mit 6°C auch bitterkalt.

„Raindrops keep falling on my……“ Alter, is gut jetzt

Jetzt hatten wir ein dickes Problem, denn Kai hatte nur eine leichte Regenjacke dabei und hätte die Etappe so unmöglich weiterfahren können. Michael hatte dann die Idee über Aurich zu fahren, um dort nach Regenklamotten für Kai Ausschau zu halten. Wir mussten die Tour nach Leer eh anpassen, denn die Tour war als Gravel-Tour geplant und so ging es gleich zu Anfang über Felder und Wiesen, die bei dem Wetter kaum zu befahren waren. Also ab nach Aurich über feste Wege.

Schöner Scheiß :-/

In Aurich erspähte Michael dann einen Laden Namens „Action“ (noch nie vorher gehört) und Kai verließ nach 10 Minuten den Laden tatsächlich mit einer Regenjacke und -hose für satte 7,95 Euro. Das war die Rettung.

Regenklamotten-Gönnung 🙂

Zur Feier dieses Kaufes hielten wir an einem Stand, der frische und warme Berliner versprach. Ihr wisst schon, Gönnung und so. Zu den Berlinern bekamen wir eine Europalette Erfrischungstücher und 3 LKW-Ladungen Servietten dazu. Nach dem ersten Bissen war uns auch klar warum das so war. Die Dinger waren so was von fettig, wir hätten alleine mit dem Fett an unseren Fingern unsere 3 Fahrradketten ölen können, plus sämtlicher Güllepumpen des ostfriesischen Hinterlandes. Kleiner Nebeneffekt: das Sodbrennen sind wir erst wieder in Oldenburg losgeworden.

Da dachten wir noch: Beste!

Trotzdem, einen positiven Aspekt hatten die Dinger: als der heftigste Regen- und Hagelschauer aller vier Tag losbrach, öffnete sich direkt vor uns ein überdachter Fahrradunterstand. Alter Schwede, da hätte auch kein Regenzeuch mehr geholfen. Als der Regen dann nachließ, machten wir uns wieder auf den Weg.

Schwein gehabt. Jaha, der Daumen, weiß ich doch auch nicht.

Man mag es kaum glauben, denn wir waren immer wieder von dunklen, schwarzen Regenwolken umzingelt und zogen auch unser Regenzeug nicht mehr aus, aber der oben angegebene Regenschauer war tatsächlich der letzte Regenschauer, den wir bis zum Ende der Tour erlebt haben.

„Kai, du musst mehr trinken.“

Die schmalste Autobrücke Europas ist wirklich ein Hingucker und wir verweilten dort einen Moment.

„Nein, nein, Kai, das mit der Kapuze sieht gar nicht doof auf dem Bild aus“ Mmpf 😀

Tatsächlich muss man mit Selfies immer etwas aufpassen, da immer wieder Autos die Brücke überqueren und sie sogar Ampelgeschaltet ist. Nach ein paar Selfies ging es weiter zur Jümme-Fähre.

Blauer Himmel lässt die eh gute Stimmung nochmal steigen.

Es dauerte einen kleinen Moment, bis die Fähre auf unserer Seite klar zum Ablegen war.

Warten auf die Fähre.

Die Art der Fähre kennt man auch bei uns von der Oste.

Garmin nicht pausiert. 80 Schummelmeter. Böse-böse.

Auf der anderen Seite machte Michael einen kleinen Abstecher zum Gasthof, um sein Gewichts-Management zu regulieren. Der Berliner war somit, zumindest bei Michael, Geschichte.

Tolle Strecke nach Oldenburg.

Nun ging es durch eine wunderschöne Landschaft nach Westen Richtung Ammerland und Oldenburg. Und endlich profitierten wir von dem herbeigesehnten Rückenwind.

Die Wolken waren düster, aber blieben oben hängen.

Bei einem Fotostopp riss mir dann die Regenhose direkt am Ar… Na Bravo.

Weiter ging es über Bad Zwischenahn an einer Bahntrasse nach Oldenburg in meine alte Heimatstadt. Da unsere Unterkunft doppelt so teuer war wie in Bremerhaven, war die Hoffnung auf etwas mehr Komfort wohl berechtigt. Tja, tun wir mal wieder so, als wären wir in Mittelerde, dann hatte wir gerade Mordor erreicht. Wat ’ne Bruchbude. Sehen wir’s positiv: Die Dusche war warm, Steckdosen funktionierten und Michael, der in der Besenkammer schlief, hatte zum Glück keine Platzangst. Was soll’s. Dafür waren wir relativ Citynah untergebracht und liefen in die Innenstadt zum Peter Pane. Burger und Fritten waren super, das hatten wir uns verdient.

Beste Burger. Die Pommes haben wir nicht alle geschafft.

Anschließend noch ein kleiner Bummel durch die City und ein Eis auf die Hand, dann ging es wieder zurück nach Mordor. Das der Fernseher nicht funktionierte, wunderte uns nicht wirklich, der in jeder Ritze hängende Geruch von altem Zigarettenqualm, war allerdings schwer zu ertragen. Licht aus und Augen zu.

Tag 3 mit 124 km

Tag 4 Von Oldenburg nach Harsefeld

Relativ früh um 07:00 Uhr machten wir uns wieder auf die Socken. Frühstücken wollten wir kurz vor der Weserfähre in Berne. Leider hatte die Eisenbahnbrücke zur Überquerung der Hunte aufgrund von Bauarbeiten geschlossen, so dass wir einen kleinen Schlenker machen mussten, um die Hunte zu überqueren.

Umkehren am Oldenburger Wasserturm.

Wir fuhren auf landschaftlich schönen Wegen an der Hunte entlang, bis nach Berne, wo wir erst Mal frühstückten.

Huntekunst.

Wenn die Strecke an der Hunte auch sehr schön ist, so führt sie halt hinter dem Deich lang und man bekommt die Hunte eher selten zu Gesicht.

Hier und da gibt es mal einen Ausguck.

In Berne überquerten wir dann die Weser. Unser nächstes Ziel war dann der Wümme-Radweg.

Bereits die dritte Fähre auf unserer Tour.

Erst ging es jedoch noch ein Stück an der Weser entlang.

Der Weg an der Wümme Richtung Fischerhude ist wirklich sehr, sehr schön und uns begegneten relativ viele Radfahrer.

Kleines Päuschen an der Wümme.

Angekommen in Fischerhude überlegten wir uns kurz, welchen Weg wir bis Harsefeld einschlagen wollten, denn ab Fischerhude ist die Stecke nach Harsefeld nicht mehr wirklich besonders attraktiv.

Proteinriegel in der Laugenstange: Beste!

Unser Ziel in Harsefeld war aber erst Mal das Eiscafé Dante. Dort wollten wir die Tour mit einem Eis abschließen, bevor es endgültig nach Hause ging. Das wurde dann sogar noch von Paolo spendiert.

Für das Eis im Ziel

Damit war die „Gönn dir Tour“ beendet.

Tag 4 mit 138 km

Fazit: Die Tour war ganz große Klasse. Wir haben viel gelacht, hatten keine Panne, unser Ziel immer gut erreicht und selbst bei Kälte und Nässe unsere gute Laune nicht verloren. Kann man wiederholen, dann allerdings zu einer wärmeren Jahreszeit, da waren wir uns alle einig. Ein Regenschauer ist nicht weiter wild, aber es wäre natürlich angenehm, wenn man nicht den ganzen Tag in dicken Klamotten verbringen muss und während einer Kaffeepause auch mal etwas in der warmen Sonne verweilen kann.

Und die Unterkünfte sollten wir in Zukunft nicht mehr bei „Sauron.com“ buchen 🙂

Thomas Tremmel