Kackwetter

Regen, Regen, Regen, ich kann den Mist nicht mehr sehen. Seit drei Tagen geht das schon so von Morgens bis Abends.

Kackwetter.

Ich will da nicht raus. Die Waldwege sind so tief, dann kann ich auch gleich bei Ebbe durchs Wattenmeer fahren. Da fährste 2 Stunden durch die Landschaft, bist kaputt wie Hulle und hast nachher 18 Kilometer auf dem Tacho. Na Bravo, da hat sich der Einsatz für die STRAVA-Wochenwertung ja mal richtig gelohnt.

Außerdem sehen Mountainbike und Fahrer danach aus wie Schwein, und ich hab das Rad erst gerad so schön geputzt.

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Und dann noch dunkel und kalt.

Kackwetter.

Problem ist nur, ich komm so langsam in Erklärungsnot:

  1. weil ich immer so ’ne große Fresse habe: „Haha, Rollenfahrer, alles Weicheier, der wahre Biker fährt bei jedem Wetter“
  2. weil ich eben, gegenüber meiner Frau, dieses Wetter als Argument für die teuren Regenklamotten genannt habe: „Wenn man, wie ich, bei jedem Wetter fährt, dann braucht man auch entsprechende Klamotten.“

Die Ausrede mit der Regenerationsphase nimmt sie mir so langsam nach 3 Tagen auch nicht mehr ab. „Weißt du Schatz, man muss sich auch mal bremsen können, wegen der Gesundheit und so.“

Kackwetter.

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„Schaaahaaatz?“ War klar, meine Frau war schon viel zu lange ruhig. „Sag mal, wäre das nicht das ideale Wetter, um deine neuen Regensachen auszuprobieren?“

„Äh, nicht wirklich. Zu matschig draußen, da sau ich mir das alles ein und darunter leidet dann das Gewebe und die Dampfdurchlässigkeit.“ Oh Gott.

„Wie bitte? Und was ist dann das richtige Wetter für die Regensachen?“

„Na ja, wenn man unterwegs ist und dann vom Regen überrascht wird. Aber ich ruiniere ja nicht mit Vorsatz meine guten Klamotten, dafür waren die zu teuer.“ Ich glaub, der war gut.

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„Warum machst du dir keine Schutzbleche ans Rad?“

„Das darf man nicht beim Mountainbike.“

„Warum?“

Au man, Fraun (stöhn). „Das sieht Scheiße aus.“

„Momentmal, du fährst im Dunkeln mit Karnevalsklamotten (hat sie Karnevalsklamotten gesagt?) und Blinklichtern im Wald rum, trägst eine Radbrille wie aus einem Science Fiction Film und sagst allen Ernstes, Schutzbleche sehen Scheiße aus?“

„Äh, das kannst du nicht verstehen, das ist vom Gefühl her kein gutes Feeling.“ Scheiße, das kommt nicht mal von mir.

„Hmmm, war da nicht was mit ‚Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falschen Klamotten‘?“

Jaja, das kommt wahrscheinlich von so ’n Nachthemdträger aus der Wüste. Sitzt wahrscheinlich den ganzen Tag an der Wasserpfeife unter der Palme und macht solche Sprüche.

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„Übrigens“, sagt meine Frau, „vorhin auf dem Weg zum Einkaufen ist mir Gerrit sogar mit dem Rennrad entgegengekommen, und an seinem Rad waren Schutzbleche.“

„Das ist kein Rennrad, sondern ein Crosser, da können die Schutzbleche auch nix mehr dran kaputtmachen.“

„Äh, warum kauft man sich sowas?“

„Kurt fährt auch einen Fiat Multipla, hört Helene Fischer und hat einen Brustbeutel.“

„Zumindest fährt er Rad und du nicht.“

„Jaja, und versaut sich die ganze Mechanik. Der Regen spült das Kettenöl aus der Kette und Dreck und Sand geben der Kette und den Ritzeln dann den Rest. Und wenn ich dann wieder alles neu bestellen muss, dann kommst du wieder mit: ‚Schon wieder ein Päckchen vom Bike-Versand.“ Hähä, der war gut.

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Dachte ich.

Nur, meine Frau grinste von einer Seite zur anderen. „Na, dann hatte Dörte ja doch Recht.“

Dörte, die Veganerschlampe von gegenüber. „Wie jetzt, Dörte hatte Recht.“

Meine Frau grinste immer noch. „Hab ich beim Einkaufen getroffen. Sie meinte gleich, du ziehst als Ausrede bestimmt die Nummer mit dem großen Verschleiß und den daraus resultierenden Kosten, um nicht bei dem Regen loszufahren, kennt sie von Gerrit.“

Das Miststück. Leider aber auch die Frau von meinem Radkumpel Gerrit. Die hat ständig was rumzunörgeln. Meine Frau wollte mir schon keine Powergels mehr kaufen, weil Dörte meinte, das wäre alles nur teurer und ungesunder Schnickschnack. Gerrit bekommt von ihr für unsere Ausfahrten immer Gemüse und Tofu-Sticks in der Tupperdose mit. Manchmal auch zwei Eier, wenn sie’s mal wieder nötig hat.

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„Na ja, klar, weil Gerrit das wohl auch als Grund angegeben hat, warum man momentan nicht fahren sollte.“

„Nein, Gerrit liegt Zuhause, dem geht’s nicht so gut seit drei Tagen. Dörte meint, du hättest ihm eins von deinen Gels gegeben, stimmt das?“

Der Verräter. Das darf ja wohl nicht wahr sein. Die Mir-ist-gar-nicht-gut-Ausrede kann ich jetzt nicht mehr ziehen. Und dann benutzt der mich und meine Gels für seine Ausrede? War ja klar, dass seine Dörte darauf anschlägt. Und jetzt muss ich dieses Spiel auch noch mitspielen.

„Jaja, hat er wohl nicht vertragen. Ist ja kein Wunder, wenn man sonst immer nur Moos und Algen vorgesetzt bekommt.“

„Aber dir geht’s gut?“

„Ja, klar.“

„Okay, und da das Wetter sich heute wohl kaum noch ändern wird, kann ich davon ausgehen, dass du heute kein Rad mehr fährst?“

Boah, jetzt reicht’s aber. Keine Ausreden mehr, jetzt werde ich ihr klipp und klar ins Gesicht sagen: ‚Nein, bei dem Kackwetter setze ich keinen Fuß aufs Pedal und es ist mir Scheißegal was du darüber denktst.‘

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Sagen wir mal, wollte ich sagen, bzw. hätte ich fast gesagt, wenn da nicht so ein komischer Unterton im ‚Okaaayyyy‘ meiner Frau gewesen wäre, der so ein leichtes Zucken in meiner rechten Wade ausgelöst hätte. Ich schaute auf mein MTB (ja, das hab ich in der Wohnung) und hatte das Gefühl, die Bowdenzüge bildeten die Wörter: VORSICHT FALLE!

Ich raffte es nicht, schaute ungläubig zu meinem MTB und zuckte leicht mit den Schultern (jahaa, ich weiß, dass das bekloppt klingt, so sind wir nun mal). Nun war ich mir nicht mehr sicher, ob da VORSICHT FALLE oder DUMMES ARSCHLOCH stand, aber es machte Klick in meinem Hirn; der untere Flur sollte neu tapeziert werden, und ich drückte mich (um Ausreden nie verlegen) schon lange um diese Arbeit.

Oh Kacke. In Baumarkt fahren und Tapeten aussuchen, das ist ja wohl das nackte Grauen. Und wenn’s die Woche Wettermäßig so bleibt, dann kann ich gleich den Tapeziertisch nach oben holen.

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„Thomas?“

„Ja?“

„Was ist denn nun? Kein Radfahren mehr?“

Von wegen. Lieber im Matsch, als im Kleister rühren.

„Doch, doch, es wird schon heller draußen, ich zieh mich schon um.“

„Hmm, wo wird das denn draußen heller? Und was ist damit, dass die Regenklamotten und die Radmechanik bei dem Wetter leidet?“

„Als Radfahrer spürst du die Wetterbesserung in den Muskelfasern und ich muss ja nicht durch die dickste Matsche fahren. Heute sind dann mal feste Feldwege und ein wenig Asphalt angesagt, dann ist das halb so wild. Außerdem ist die Regenerationsphase jetzt vorbei und MIR persönlich ist das Wetter ja eh scheißegal, das weißt du ja.“

„Ach?“

„Jaja, wollte zwar ein wenig Rücksicht auf das Material nehmen, aber ich kann dem Drang der Freiheit nicht länger widerstehen. Bin ja kein Rollenfahrer, hähä.“

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Tja, und während ich das Mounti nach draußen schob und kurz beim Nachbarn gegenüber in die Fenster schaute, sah ich Gerrit, wie er mit hochrotem Kopf in einem großen Eimer mit einer transparenten, dicklichen Flüssigkeit rührte.

Ob’s nun Kleister oder selbstgemachte Powergels aus indischen Meeresalgen war, überlasse ich mal Eurer Phantasie

🙂

Thomas Tremmel