Poldercross in Zeven 2016

CROSSER

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Nein, das ist kein Rennrad und nein, das ist noch weniger ein MTB. Das ist…na ja….sagen wir’s mal so… bei Herr der Ringe wäre es der Ork.

Nein, keine Ahnung warum man sich da freiwillig draufsetzt. Für die Straße gibt es Rennräder, fürs Gelände MTBs in allen möglichen Variationen. Allerdings behaupten die Crosser-Fahrer gerne, dass es nichts gibt, was man damit nicht fahren kann. Für sie ist es sogar unverständlich, warum die Skispringer bei der 4-Schanzen-Tournee keine Crosser nutzen.

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Wäre mir ja Latte, wenn sie mich nicht immer bei den Abfahrten in den Harburger Bergen ausbremsen würden mit ihrem komischen Gefährt. Steinen kann ich ausweichen, über Äste springen, aber Crosser? Und nu kommt auch noch ein UCI World-Cup-Rennen nach Zeven, direkt vor meiner Haustür. Aber ohne mich.

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Ring-Ring
Nervensäge Gerrit am Telefon.

Gerrit: „Du Thomas, da kommt ein UCI-Cross-Rennen nach Zeven.“

Ich: „Vergiss es, für so einen Scheiß gebe ich kein Geld aus.“

Gerrit: „Dann versuch’s doch bei Helmuts Fahrrad Seiten, da kannste ’ne Karte gewinnen.“

Ahhhhhhaaaaa. Da gibt’s bestimmt auch Bratwurst und Bier. Also für Umme kann man’s ja mal probieren. Und was soll ich sagen; der größte Anti-Crosser-Arsch gewinnt die Karte.

Die Welt kann so ungerecht sein, wat’n Glück 😀

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Gleich vorweg; ich verstehe nix vom Crossen (ich weiß, hätte ich nach den ersten Zeilen nicht mehr erwähnen müssen), kenne keinen einzigen der Fahrer und weiß noch nicht mal wer gewonnen hat. Aber ich hab mal eine Übertragung aus Belgien im TV gesehen und war von der Action und der Stimmung dort sehr beeindruckt, deshalb wollte ich mir das hier in Zeven, direkt vor meiner Haustür, nicht entgehen lassen.

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Also ging’s am 26. November 2016 zum UCI CYCLO-CROSS WORLD CUP nach Zeven.

Ich wollte kein Rennen verpassen und so gehörte ich zu den ersten Zuschauern, die um 09:00 Uhr am Parkplatz Zeven-Aspe auf den ersten Bus warteten, denn die Junioren starteten bereits um 10:00 Uhr.

Wow, das Gelände machte schon mal einen tollen Eindruck. Die gesamte Veranstaltungswiese wurde für den Parcours genutzt. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hingehen sollte, und so blieb ich erst mal am Start. Hier wurde jeder Fahrer einzeln vorgestellt. Tolle Sache.

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Während des Juniorenrennens lief ich den gesamten Platz ab, fotografierte und machte mir einen Eindruck vom gesamten Gelände. Das war relativ einfach, da es sehr viele Möglichkeiten zum Kreuzen der Strecke gab. So kam man wirklich in jeden Winkel der Strecke. Wirklich sehr, sehr Zuschauerfreundlich. Die Streckenposten, welche immer eine Lücke im Fahrerfeld abwarteten, um Zuschauer durchzulassen, machten hier einen wirklich sehr guten Job.

Nach den Junioren fuhren die U23-Fahrer, bevor erst die Elite der Damen und dann der Herren an den Start gingen. Viel Leerlauf zwischen den Rennen gab es nicht.

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Die Rennen, egal ob Junioren oder Elite, und die Leistung der Fahrer waren sehr beeindruckend. Anders als beim Rennradfahren auf der Straße, wo man auch mal im Windschatten verschnaufen kann, scheint es bei den Cyclo-Crossern nur eins zu geben; Powern, powern, powern. Die Anstrengungen sah man den Fahrerinnen und Fahrern durchaus an.

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So langsam bekam ich eine Gefühl dafür, was Cyclo-Cross bedeuet. Neben einer Menge Kraft in den Beinen, braucht man beim Cyclo-Cross auch ’ne Menge fahrerisches Können und Radbeherrschung, um sein Rad über Hindernisse, schweren Boden und An- und Abstiege zu bekommen.  

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Und als wenn das alles noch nicht genug gewesen wäre, hat man auch noch an einer Geraden richtig viel weichen Sand aufgeschüttet, um es den Fahrern nochmal besonders schwer zu machen. Für uns Zuschauer war das natürlich ein Highlight; die Fahrer kämpften sich durch diesen schweren Boden. Hier und da gab es mal einen Sturz, einige quälten sich fahrend durch den Sand, andere schulterten ihr Rad und bewältigten dieses Stück laufen.

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Bei den Elite-Fahrern gab es tatsächlich den Einen oder Anderen der den Sand durchpflügte, als wenn es Badeschaum gewesen wäre. Wow, sehr, sehr beeindruckend.

Die Bilder der Fahrer in Kurz/Kurz mögen ein wenig über die Temperaturen hinwegtäuschen, denn es war Arschkalt.

Wie schon gesagt, man kam überall leicht hin und es war für die Zuschauer reichlich Platz an der Strecke, deshalb gab es auch nirgendwo lange Schlangen, …außer an den Fressbuden. Meinem Magen hätte eine Portion Nudeln oder einer Bratwurst auch gelüstet, aber dann hätte ich wohl auf ein Rennen verzichten müssen. Egal, meine Plautze lächelte mich an und meinte, sie hätte noch mehr als ausreichend Reserven.

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Als die Männer-Elite ins Ziel kam, wurde es auch so langsam dunkel. Der Tag wurde also perfekt ausgenutzt und auch ich machte mich auf den Heimweg. Hungrig, durstig und vom ganzen Tag rumstehen mittlerweile auch mit Rückenschmerzen, aber mit begeisternden Eindrücken von einem tollen Sport. Wenn ich nicht schon am Sonntag was auf dem Zettel gehabt hätte, dann wäre ich auch noch am Sonntag zu den Landesverbandsmeisterschaften gefahren, so toll haben mir die Rennen gefallen.

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Ob ich meine Lästerei über Crosser komplett einstelle, kann ich nicht versprechen, aber zu 100% werde ich bei der nächsten Vier-Schanzen-Tournee darauf achten, ob sich nicht doch ein Crosser dazwischen gemischt hat. Ich frage mich nur, wie die das mit dem Telemark hinbekommen wollen 😀

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Thomas Tremmel

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